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Mit diesem Blog möchte ich Menschen zusammen bringen, die am Mentoring interessiert sind.
Von Kindheit an habe ich beobachtet, wie das Elternhaus das Schicksal prägt. Meine Schufreundin musste vor unserer ersten Verabredung ihre Eltern fragen, ob sie mit mir spielen darf, weil ich keinen akademischen Hintergrund hatte, wie sie. Sie durfte.

Ich hatte großes Glück: Wo immer ich war, was immer ich wollte, es fanden sich Menschen, die mir geholfen haben. Ich habe meine Wünsche geäußert und sie haben mir Hilfe angeboten. Ich habe diese Hilfe dankbar angenommen. Auch ich habe fast immer andere Menschen gefördert, wenn ich gesehen habe, dass sie alleine nicht weiter kamen und Hilfe anzunehmen bereit waren.

Dass unsere Gesellschaft Kindern ohne akademischen Hintergrund den Aufstierg erschwert, ist seit langem bekannt. Aber niemand tut etwas dagegen. Es ist, als sei dies gewollt.

Als ich im Referendariat bei der Staatsanwaltschaft gearbeitet habe, war ich für Jugendstrafsachen zuständig. Da saßen Kinder, die gestohlen oder geschlagen hatten. Manchmal saß ihre Mutter dabei, manchmal auch die Großmutter. Väter habe ich nie gesehen. Den Berichten des Jugendamtes zufolge, die stets bei Jugendsachen verlesen werden, ist es fast schon Glück, wenn diese Art von Vätern nicht anwesend ist. Unfassbar viele Kinder wachsen in einer Atmosphäre von Gewalt, Vernachlässigung und Alkoholmissbrauch auf. Sie bekommen weder ausreciehnd zu Essen noch Schulsachen oder Kleidung, um altersgemäß teilhaben zu können. Wir Juristinn/en saßen auf den mächtigen dunklen Holzbänken zu Gericht über diese jungen Menschen. Wir hörten den Jugendamtsbericht. Eine lange Folge von Versagen der Gesellschaft. Keine Kita, keine Schule, keine Nachbarn, niemand hat dem Kind geholfen. Bis ein Gericht eingeschaltet wird, ist meistens schon viel Kriminelles passiert, das nicht geahndet worden ist. Wir kamen erst zusammen, als es schon zu spät war. Die Richter/innen erklärten mir, dass diese erste Gerichtsverhandlung bei Jugendlichen in der Regel der Einstieg in eine lange Kriminalitäts- und Sozialhilfekarriere war.  Ich habe mich geschämt dafür. Für uns alle.

Seit der Einführung der „Hartz – IV“ – Gesetze am 01.01.2005 hat sich die Situation dramatisch verschärft. Kinder, deren Eltern sie nicht selbst ernähren können, werden überall abgehängt. Wenn die Eltern ihre Arbeit verlieren, müssen sie nach einem Jahr Arbeitslosengeld II beziehen. Die Kinder werden überall abgemeldet, kein Musikuntrricht, kein Sport, keine Abiturfahrt mehr.
Noch schlimmer aber trifft es die, deren Eltern noch nie Teil dieser Arbeitsgesellschaft waren. Jeder Behördengang, jeder Antrag ist eine unüberwindbare Herausforderung, die im Zweifel unterlassen wird. Das Geld wird nicht institutionell in Kitas und Fachkräfte dort investiert, sondern wieder im Klein Klein bürokratisch tröpfchenweise verteilt. Entgegen den Ergebnissen aller Studien hierzu.

Am 26.08.2012 habe ich im Info Radio Berlin Hatice Akyün gehört. Sie erklärte ebenfalls ihre Fassungslosigkeit darüber, dass wir heute die Not der kleinen vier- und fünfjährigen sehen, die in 20 Jahren als Bürger/innen Teil dieser Gesellschaft sein sollen, die etwas beitragen können. Zugleich tun wir jedoch nichts, sie in die Lage dazu zu versetzen.

Mit diesm Blog möchte ich ein Forum schaffen, auf dem am Mentoring Interessierte sich melden und einander finden können.

Berlin, 27.08.2012

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Veröffentlicht August 27, 2012 von mentoringberlin in Uncategorized